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Neu Einhorn-Kapitalismus Grössere Ansicht
E-Book (EPUB)

Joël Luc Cachelin

Einhorn-Kapitalismus

Wie die mächtigsten Start-ups der Welt unsere Zukunft bestimmen

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Artikel Nr. MC-58901CC242

16.00 CHF

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Wer die Zukunft verstehen will, muss den Einhörnern folgen. Es sind Start-ups, deren Wert bereits vor dem Börsengang mit über einer Milliarde US-Dollar beziffert wird. Bekannte Namen wie Airbnb, N26 oder das Weltraumprojekt SpaceX gehören dazu, aber auch viele Unbekannte aus China. Einhorn-Unternehmen zeigen uns, an welche Zukunft, Technologien und gesellschaftliche Umbrüche eine kleine Gruppe einflussreicher Investoren glaubt. Und je mehr Geld investiert wird, desto mächtiger werden diese Ideen. Joël Luc Cachelin beschreibt, wie der Einhorn-Kapitalismus funktioniert und welche Kräfte er freisetzt. Denn die Einhörner schalten nicht nur unsere Kreativität gleich, ebenso führen sie zu Entsolidarisierung und Spekulationsblasen. Eine Entwicklung, der wir aber nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir können mit den Einhörnern umgehen und ihre Leidenschaft für unsere Ziele nutzen.
Untertitel Wie die mächtigsten Start-ups der Welt unsere Zukunft bestimmen
Autor Joël Luc Cachelin
Verlag Nicolai Publishing & Intelligence GmbH
Kategorie E-Books (ePUB)
Medium E-Book (EPUB)
Format EPUB
Seitenzahl 144
Erscheinungsdatum 2019-11-05
Auflage 1. Aufl.
Sprache GER
Genre Sachbuch
Dateigrösse 221812 KB
ISBN/EAN 9783964765239
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Joël Luc Cachelin

Einhorn-Kapitalismus

Wie die mächtigsten Start-ups der Welt unsere Zukunft bestimmen

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Inhalt

Kapitel 1
Symbolik der Einhörner
Warum es sich lohnt, den Kult der Einhörner zu studieren

Kapitel 2
Demografie der Einhörner
Woher die Einhörner stammen und was sie wollen

Kapitel 3
Wirksamkeit der Einhörner
Welche Spuren Einhörner in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft hinterlassen

Kapitel 4
Jenseits der Einhornjagd
Warum blindes Vertrauen in Einhörner gefährlich ist

Kapitel 5
Selbstbestimmung im Einhornkapitalismus
Welche gesellschaftspolitischen Fragen die Einhörner aufwerfen

Kapitel 1
Symbolik der Einhörner

Warum es sich lohnt, den Kult der Einhörner zu studieren

Einhörner als Träger des Einhornkapitalismus

Follow the Money

Wir alle wissen, es gibt keine Einhörner. Doch wenn wir ganz fest an das Unwahrscheinliche glauben, erfüllen sich unsere kühnsten Träume. In Amerika sichtet man seit einigen Jahren zahlreiche von ihnen, die meisten im Silicon Valley. 2013 führten die Cowboy Ventures den Begriff für Start-ups ein, die Financiers noch vor dem Börsengang mit mindestens einer Milliarde bewerten.1 Seit damals ist viel passiert. Das Time Magazine führt die Gründerin der Cowboys, Aileen Lee, unter den 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2019. Aus den 38 Tieren wuchs gemäß dem Finanzinformationsdienstleister CB Insights eine globale Herde mit 391 Tieren an.2 Man jubelt sie hoch, lässt sie wieder fallen. Es sind keine Unbekannten. Airbnb gehört ebenso zum Club wie der Datenverarbeiter Palantir oder der Co-Working-Anbieter WeWork. Facebook, Uber, Slack und Spotify sind ehemalige Clubmitglieder, die beim Galopp an die Börse ihren Regenbogenschweif abgeben mussten.

Gemeinsam schicken sich die Einhörner an, die Welt zu erobern. Wie wir bezahlen, wohnen und arbeiten, den Urlaub organisieren, Krankheiten behandeln – alles soll neu gedacht und nach deren Geschmack umgeformt werden. Nur professionelle Investoren, Venture-Kapitalisten, vermögen mit ihren Futtervorräten die Einhörner großzuziehen. CB Insights bewertet die gegenwärtige Formation mit über einer Billion US-Dollar: tausend Milliarden, einer Million Millionen Dollar. Ausgestattet mit diesen ungeheuren Beträgen, sind die Fabeltiere gleichermaßen Propheten wie goldene Kälber, um die man erregt tanzt. Nicht nur spiegeln sie die Renditen, Technologien und Geschäftsmodelle der Zukunft in die Gegenwart. Wer die Pläne der wertvollsten Start-ups dieser Welt studiert, erahnt künftige Machtverhältnisse und gesellschaftliche Herausforderungen.

Reichlich spät hatte ich als studierter Betriebswirt die Einsicht, dass, wer über die Zukunft des Kapitalismus berichten will, Geldflüsse observieren muss. Follow the Money. Reihen sich die Nullen aneinander, steigt die ökonomische Bedeutung. Wenn wir ein teureres Restaurant wählen, ist uns das Gourmeterlebnis etwas wert. Im Urlaub erhöht zusätzliches Datenvolumen die digitale Bewegungsfreiheit. Ein hoher Lohn weist einer Arbeit einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert zu. Ähnlich urteilt das Kapital auf höheren Ebenen – bei Budgets oder der Gewichtung von Investitionen. Je höher der Wert eines Einhorns geschätzt wird, desto größer sein Versprechen für die Zukunft, desto stärker beeinflusst es die Gegenwart. Venture-Kapitalisten sind in die Bewertung besonders involviert. Sie betreiben die Einhornzucht nicht als Hobby, vielmehr wollen sie von möglichst hohen Weiterverkaufspreisen profitieren.

Als Weichensteller der Geldflüsse priorisieren sie – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – unsere Wege in die Zukunft. Im Kapitalismus gedeiht sie dort am besten, wo es am meisten Geld gibt. So betrachtet, gleichen die Einhörner den Fruchtkörpern von Pilzen, die an wenigen Stellen ein unterirdisches Rhizom sichtbar machen. Als Extremitäten bringen sie den Einhornkapitalismus hervor. In ihm stauen sich die globalen Finanz-, Daten- und Humankapitalströme bei einigen Hundert Start-ups. Es ist eine Zeit, in der die Suche nach Innovation besonders ausgeprägt ist – und unsere Kreativität zur entscheidenden wirtschaftlichen Ressource aufsteigt. Die Maschinen sind kompetent, die Margen eng, die Konkurrenz flink und global. In dieser Sehnsucht nach Innovation betreten die Einhörner die Bühne. Stolz reißen sie die Ströme an sich und bestimmen gleichzeitig, was mit unserer Kreativität passiert.

Zwischen Schwarmintelligenz und -dummheit

Der Kapitalismus ist ein gigantisches Informationssystem, welches das Verhalten des wirtschaftlichen Schwarms steuert. Es speist sich aus den Transaktionen, die wir täglich tätigen. Jeder Klick, jeder ausgegebene Euro fließt in die Gesamtrechnung ein. Ob ich bei Aldi oder Lidl einkaufe, Äpfel aus dem Thurgau oder Birnen aus Südafrika in den Einkaufskorb lege, mit dem Zug oder dem Flugzeug nach Berlin reise, in Aktien der Deutschen oder einer alternativen Bank investiere – alles macht einen kleinen Unterschied. Je mehr Geld fließt, desto deutlicher das Votum für einen bestimmten Pfad in die Zukunft. Wenn wir mit Gleichgesinnten kooperieren, stärken wir unseren Einfluss. Zusammen kontrollieren wir größere Geldmengen als alleine. Bisher tun wir dies mehrheitlich in Unternehmen, wo wir unsere Ressourcen, Fähigkeiten und Kaufkraft zusammenlegen. Die Kollegen bei der Arbeit setzen sich für die gleichen Visionen ein, das auf Banken zusammengetragene Kapital finanziert Bau- und Gründungsprojekte.

Digitale Communitys erweitern unser Kooperations-spektrum. Wir kennen sie von Ideensammlungen (Crowd Innovation), Finanzierungen (Crowd Sourcing), gegenseitigem Leihen (Crowd Lending), Co-Working-Büros, Anwendungen der Sharing Economy oder der Rudelbildung in den sozialen Medien. Auch der Staat ist ein Zusammenschluss von ökonomischen Akteuren. Er konsumiert, investiert und erlässt Gesetze, welche die Geldflüsse tangieren. Je demokratischer sich ein Staat aufstellt, desto mehr kann sich jeder Einzelne als Weichensteller beteiligen. Autoritäre Staaten vertrauen dagegen auf starke Führungsfiguren, Technokratien auf Algorithmen. Groß ist die Versuchung der digitalaffinen Staatskapitalisten, eine gigantische Datenmaschinerie zu bauen, mit der sich die ganze Welt simulieren, steuern und optimieren lässt. Doch der Traum vom Technostaat ist ebenso alt wie gefährlich.3

Die eben gelobte Schwarmwirtschaft ist keine egalitäre. Nicht allen stehen dieselben entscheidungsrelevanten Informationen zur Verfügung, die meinungsbildende Kapitalgewalt ist ungleich verteilt. Eine Venture-Kapitalistin hat mehr Einfluss auf den Schwarm als der einfache Arbeiter. Stellvertretend für diese Konzentrationsbewegung stehen die Einhörner und deren Jockeys, die mit ihren Milliarden die Zukunft bestimmen. Die japanische Softbank-Gruppe hat 389 Milliarden US-Dollar in 38 Einhörner investiert. Es folgen das Tiger Global Management (269 Milliarden, 42 Einhörner) und Fidelity Management (231 Milliarden, 28 Einhörner).4 In den Top Ten sind keine europäischen Einhornzüchter vertreten. Einige Jockeys sind nur am Geld interessiert, das sich mit unseren Ideen machen lässt. Andere beabsichtigen, uns in ein neues Zeitalter zu überführen. Jeff Bezos, ein routinierter Einhornjäger, träumt von einer Zivilisation im All.5

Man könnte geld- von wertorientierten Einhörnern unterscheiden, die in der Sprache von Internet-Guru Tim O’Reilly einen Wow-Effekt, ein What-The-Fuck-Gefühl auslösen.6 Werden zu viele Einhörner zum Geldanhäufen missbraucht, wenn Einkommen, Vermögen und dadurch die finanzielle Stimmgewalt zu ungleich verteilt sind, profitiert der Schwarm nicht mehr von der Weisheit der vielen. Wie die Legehenne wird das Einhorn zum bemitleidenswerten Zuchttier. Es degeneriert vom Botschafter der Zukunft zum Renditeobjekt. Die kapitalistische Intelligenz kippt in Dummheit, fehlt es im Entscheidungssystem an Diversität und Kontrollmechanismen. Sollten wir den Weichenstellern des Kapitals nicht bedingungslos vertrauen, müssen wir die Kontrolle über die Geldströme zurückerobern und unsere Kreativität schützen. Tun wir dies nicht, werden unsere Ideen – und letztlich wir selbst – ihre Spielzeuge und Machtinstrumente sein. Statt mitzubestimmen, sind wir die Tiere in ihrem Zoo.

Risiken und Nebenwirkungen in Pink

Der hier porträtierte Einhornkapitalismus wäre ohne die Verdichtung der Geld- und Datenströme infolge der Digitalisierung undenkbar. Seine Kräfte wurden extrem, als wir alle unsere Smartphones erhalten hatten. Informationen gehen viral, Abertausende nutzen dieselben Apps, wir häufen gigantische Datenberge auf. Neun Produkte von Alphabet haben über eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer, darunter Gmail, Maps, YouTube, Chrome, Photos und Play.7 Die Konzentration von ökonomischem und letztlich politischem Einfluss gehört ebenso zu den Nebenwirkungen des Einhornkapitalismus wie die beschleunigte Diffusionsgeschwindigkeit von technologischen Neuerungen. Über Nacht können Plattformen durch ein Update die Verhältnisse verändern, neue Fähigkeiten einfordern, Geräte und Software für nicht mehr kompatibel erklären. Nicht allen wird es gelingen, sich rasch genug anzupassen, nicht alle gehören zu den Siegerinnen der entstehenden Superstar-Ökonomie.8

Verlierer mit stagnierenden Löhnen und schlechten Perspektiven stehen optimistischen, gut ausgebildeten Fans der Zukunft gegenüber. Ob jemand zu den Privilegierten gehört, entscheidet sich über Wissen, Technologiekompetenz und die Fähigkeit zu lernen. Abgesehen von den ein Prozent Ultrareichen, die in einer anderen Sphäre unterwegs sind, kann sich kein Akteur der Logik der Wissensgesellschaft entziehen – kein Staat, kein Unternehmen, kein Individuum. Es gibt nur wenig Spielraum, den Imperativ des Lernens zu umgehen. Staaten und Unternehmen können neues Wissen kaufen – zum Beispiel indem sie ein Einhorn fangen. Einigen wenigen kreativen Individuen mit tollen Ideen und bewundernswerten Kunstwerken wird gestattet, die soziale Klasse zu wechseln. Für den Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier driftet in der Folge die Identitätsbildung auseinander: Hochqualifizierte orientierten sich an Kompetenzen, die anderen an Nationalitäten.9

In der Tendenz handelt es sich beim Einhornkapitalismus trotz reichlich Glitter um eine autoritäre Konstruktion. Wenige befehlen, wenige profitieren. Paradoxerweise könnte er, statt die menschliche Kreativität zu fördern, diese zum Versiegen bringen. Zwar schreit man überall nach Disruption. Doch die Gleichschaltung der Innovation zwecks Maximierung der Renditen raubt einer Gemeinschaft die Kraft, sich zu erneuern. Durch die Konzentration von Macht, Daten und Geld verdummt nicht nur der ökonomische Schwarm. Es droht eine Blasenbildung, sollten die Geldgeber auf die falschen Einhörner setzen, deren Bewertung keinem realen Beitrag für unsere Zukunft entspricht. Der Technofetisch ihrer Gründer und die Profitlust ihrer Reiter lässt die Einhörner so viel Arbeit wie möglich an die Maschinen delegieren. Das verstärkt die bereits bestehenden Gefahren der Anonymisierung, Sinnentleerung der Arbeit und Entsolidarisierung.

Um zu diesen gesellschaftspolitischen Aspekten des Einhornkapitalismus vorzudringen, braucht es einiges an Denkarbeit. Kapitel 1 führt seine Kernelemente ein: die planetaren Herausforderungen, ökonomische Narrative und die Prinzipien der Selbstverstärkung. Es zeigt, wie Einhörner als Hoffnungsträger, Symbole des Queren und Verkünder einer neuen Epoche dienen. Kapitel 2 vermisst das Getier hinsichtlich Größe, Herkunft, Alter und Aktivität. Einige Prachtexemplare werden vorgestellt, zum Beispiel ein Hersteller von Zahnspangen und ein Abfallsammler. Kapitel 3 prüft die Wirksamkeit der Einhörner, erklärt das gehäufte Erscheinen und antizipiert deren Zukunft. Kapitel 4 zeigt, warum naives Vertrauen in die Einhörner gefährlich ist, und widmet sich deren blinden Flecken. Abschließend reflektiert Kapitel 5 die gesellschaftspolitische Dimension des Einhornkapitalismus. Der Anstoß zur kritischen Reflexion mag letztlich der größte Nutzen ihres Erscheinens sein.

Einhörner als Wegweiser in eine andere Zukunft

Einhörner als Hoffnungsträger

Die Einhörner erscheinen uns in Zeiten der Veränderung. Ihre dreifache Symbolik als Hoffnungsträger, Patrone des Queren und Verkünderinnen eines Epochenwandels passt bestens zur Gegenwart, die viele als komplex und verunsichernd wahrnehmen. Verantwortlich für die Destabilisierung sind drei Aspekte des technologischen Fortschritts: Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung. Andere bezeichnen diese Kräfte als Metatrends. Sie wirken noch langfristiger und tiefgreifender als Megatrends, deren Lebensdauer man auf 25 Jahre schätzt. Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung finden nicht nur gleichzeitig statt, sie verstärken sich auch gegenseitig. Es resultiert eine umfassende planetare Transformation, die durch fünf Verschiebungen gekennzeichnet ist:

Daten als neue Währung – durch die Digitalisierung unseres Denkens, Fühlens und Verhaltens

Gesellschaft der Hundertjährigen – durch höhere Lebenserwartung und verändertes Verhältnis von Jung und Alt

Wandel des Klimas – durch unser wenig nachhaltiges Konsum- und Mobilitätsverhalten

Planet der elf Milliarden – durch steigende Bevölkerungszahlen und höhere Lebenswartung, Migration in reiche Länder inklusive

Re-Definition des menschlichen Wesens – durch die Fortschritte in Informatik, Gen- und Biotechnologie

Will die Menschheit an diesen Übergängen nicht zerbrechen, bedarf es einer neuen Infrastruktur. Unsere Ansätze, um den Planeten mit Mobilität, Energie, Medizin, Ernährung, Bildung und Daten zu versorgen, sind überholt. Sie sind ineffizient, umweltschädlich, ressourcenverschwenderisch, wenig personalisiert, wirken polarisierend. Erschwerend wächst die Bevölkerung gemäß den Zahlenspielen der UN bei mittleren Geburtenraten bis 2100 auf elf, bei hohen Geburtenziffern gar auf fünfzehn Milliarden.10 Wir werden älter, durchmischter, urbaner, gebildeter, anspruchsvoller, mobiler. Roboter, Drohnen und künstliche Intelligenzen nisten sich in unserer Gemeinschaft ein. Um die Infrastruktur des Planeten zu erneuern, braucht es Innovation der Innovation. Nicht nur sind neue Ideen gefragt, sondern auch neue Ideen, wie wir zu diesen Ideen kommen.

So betrachtet, sind die Einhörner Hoffnungsträger, um die Infrastruktur der Zukunft zu errichten und gleichzeitig die potenziellen Konflikte der planetaren Transformation im Keim zu ersticken. Mit ihrem Erscheinen verbindet sich die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze, wenn sie einst groß und unabhängig von ihren Venture-Kapitalisten geworden sind. Vielleicht gelingt es ihnen gar, die Geschichten über die Zukunft positiv einzufärben. Regenbogenfarbige Horizonte sind dringend nötig. Nicht wenige sehen sich als Verlierer von Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung. Die Kommentarspalten der Leitartikel entblößen ihre Wut. Besonders gut zu beobachten war der Frust im Herbst 2019 in Frankreich, als sich »Paris verbarrikadierte«.11 Die Gelbwesten wehrten sich gegen Reformen der Regierung, um die digitale Transformation zu meistern. Doch bei einem Medianlohn von 1700 Euro netto brachte die Forderung nach höheren Treibstoffpreisen das Fass zum Überlaufen.

Die Versprechen der Digitalisierung weichen einem breiten Technikskeptizismus. Es misslingt uns, aus dem Analysieren auszubrechen, Freiräume zu schaffen, um die planetaren Herausforderungen zu meistern, hoffnungsvolle Geschichten über die Zukunft zu erzählen. Während die einen an ihren Privilegien festhalten, erkennen andere keine Möglichkeiten, mitzugestalten. Populisten nutzen die Verunsicherung, um ihre Agenda voranzutreiben. Mitten in diesem verstörenden Vakuum treten die Einhörner auf. Unser Zweifeln nehmen sie als Hilferufe wahr. Nicht alle beklatschen ihren Auftritt, Haters denunzieren sie als Spielzeuge der Kapitalisten. Statt Probleme zu lösen, wiehern sie dümmlich, streuen uns Glitzerstaub in die Augen, verführen uns mit absurden Versprechen, fesseln uns an die Bildschirme. Wir sollen die Brisanz der Lage verkennen, keine kritischen Fragen stellen.

Einhörner als Patrone des Queren

Im selben Moment, da die Geldströme Einhörner gebären, unterwandern diese die Popkultur. Was gemäß überlieferten Erzählungen rar und außergewöhnlich sein sollte, sieht man nun an jeder Ecke. Vollgeflutet vom Regenbogenstaub präsentiert sich das Netz. Schminke, Brotaufstrich, Kinderpflaster, Luftmatratzen und der fast vergessene Onesie sind nun als Unicorn-Variante erhältlich. Für Partys, Katzen und Hunde werden aufsetzbare Monohörner präsentiert. In den Niederungen des Netzes stößt man auf Pizzas mit »Einhorn-Kotze« und Einhorn-Klopapier mit Zuckerwatteduft. Ritter Sport lancierte eine Sonderedition aus weißer Schokolade, Joghurt und Himbeeren. Die 150.000 Tafeln waren innerhalb eines Tages ausverkauft.12 Sogar ein Emoji hat das Fabeltier. Wir verschicken es, wenn uns etwas schräg erscheint oder besonders lieb ist. Wo sie herkommen, gibt es keinen Krieg, keinen Hass, keine Krankheiten. Umweltzerstörung, Angst und Langeweile bleiben aus. Niemand wird ausgegrenzt, alle dürfen so sein, wie sie sind.

Besonders beliebt ist das Fabelwesen in der LGBTQI-Community. Man wurde ausgestoßen, diskriminiert, herabgesetzt. Mithilfe des Einhorns erobern ihre Anhänger den Stolz auf ihre Andersartigkeit zurück. Diese Hoffnung auf eine farbigere, leichtere, unkompliziertere Welt erklärt seine Popularität. Wir erleben einen zweiten Kalten Krieg, schlagen uns mit populistischen Herrschern herum, mit demonstrierenden Rechtsradikalen, drohenden Naturkatastrophen, selbst gelegten Bränden in den Regenwäldern Südamerikas, der Angst vor Terroranschlägen und Flüchtlingswellen, einer alternden Gesellschaft mit exponierten Sozialversicherungen, der Überwachung durch Datengiganten und überwunden geglaubten geopolitischen Scharmützeln. Gut möglich, dass Anonymisierung, Virtualisierung und Berechenbarkeit der algorithmisch gelenkten Großstadt die Sehnsucht nach dem Fantastischen verstärken. Wir möchten mehr sein als Automaten, in unserer Individualität so viel Aufmerksamkeit wie ein Einhorn genießen.

Queres, Extravagantes, Außergewöhnliches aufzuspüren ist die Mission der einhörnigen Gründer und ihrer Investoren. Nur was vom Gewöhnlichen abweicht, sich überraschend differenziert, das Bestehende überbietet, lässt auf eine güldene Zukunft hoffen. Was zu wenig unique